Die Wissenschaft der Langlebigkeit
Mehr Vitalität und Gesundheit für ein längeres Leben
Die Lebenserwartung ist ein komplexes Phänomen, das von einer Vielzahl genetischer, umweltbedingter und verhaltensbezogener Faktoren beeinflusst wird. In der Wissenschaft ist man sich nicht ganz einig, wie viel beziehungsweise wie wenig die Genetik bei der Langlebigkeit ausmacht. Manche sprechen davon, dass die Genetik etwa ein Viertel ausmacht. Andere gehen sogar von nur vier bis sieben Prozent Genetik und mehr als 90 Prozent Lebensstil aus. Jedenfalls ist eindeutig, dass die Lebensweise für unsere Langlebigkeit deutlich mehr ausmacht als die Genetik.

Lebenserwartung
Demografische Entwicklung
Heute werden drei Viertel der Weltbevölkerung mindestens 65 Jahre alt. In manchen Ländern ist die durchschnittliche Lebenserwartung sogar schon auf über 80 Jahre gestiegen. Die WHO schätzt, dass sich die Zahl der über 70-Jährigen bis 2050 verdreifachen wird. Aber am Ende zählt nicht nur die Länge des Lebens, sondern vielmehr die Qualität dieser gewonnenen Lebensjahre.
Anfang 2024 waren 19,3 Prozent der Bevölkerung in Österreich unter 20 Jahre alt, 60,9 Prozent zwischen 20 und 64 Jahre und 19,9 Prozent 65 Jahre und älter. Damit stieg der Bevölkerungsanteil der Senioren das achte Jahr in Folge und auf einen erneuten Höchststand. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung am 01.01.2024 betrug 43,4 Jahre und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Jahre gestiegen.
In Österreich und weltweit steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung immer weiter an. Mit dieser allgemeinen Zunahme des chronologischen Alters wird der Fokus auf das biologische Alter, d. h. den tatsächlichen Gesundheits- und Fitnesszustand, immer wichtiger.
“Die Menschen leben heute länger, das liegt aber nicht unbedingt daran, dass wir alle gesünder sind. Oft verdanken wir das den fortgeschrittenen medizinischen Möglichkeiten. Das ist natürlich etwas Gutes, aber es bedeutet auch, dass die Jahre, in denen wir gesund sind, im Verhältnis zur gesamten Lebenszeit weniger werden.”

Prof. Dr. Peter Grieshofer
Mediziner

Aktuelle Studie: Gesunder Lebensstil wirkt!
Ein gesunder Lebensstil kann nicht nur die Lebenserwartung verlängern, sondern auch die Lebensqualität erheblich verbessern, indem das Risiko für chronische Krankheiten und Behinderungen reduziert wird. Wie stark der Lebensstil die tatsächliche Lebenserwartung beeinflusst, ist erstaunlich. Wer sich an grundsätzliche gesunde Verhaltensweisen hält, lebt deutlich länger – und zwar über 20 Jahre. Das zeigt eine neue Studie, die bei einer Ernährungskonferenz in Boston/USA 2023 vorgestellt wurde. Das Team um die Forscherin Xuan-Mai Nguyen von der University of Illinois hat dazu Daten von über 700.000 US-Veteraninnen und -Veteranen im Alter von 40 bis 99 Jahren analysiert, die zwischen 2011 und 2019 erhoben wurden.
“Je früher, desto besser, aber selbst, wenn Sie mit 40, 50 oder 60 nur eine kleine Änderung vornehmen, ist es immer noch von großem Vorteil.

Xuan-Mai Nguyen, MD PhD
Harvard Medical School | HMS · Department of Medicine
8 Faktoren für einen gesunden Lebensstil
Die Lebensweise hat einen deutlich größeren Einfluss auf unsere Langlebigkeit, als die Genetik. Das unterstreicht, wie wichtig gesunde Verhaltensweisen für ein langes und erfülltes Leben sind.
Die Studie aus 2023 rund um das Forscher-Team um Xuan-Mai Nguyen hat acht Faktoren definiert, die unseren Lebensstil gesund machen.


1. Körperliche Aktivität
Regelmäßige körperliche Aktivität ist entscheidend für die kardiovaskuläre Gesundheit und kann das Risiko für Herzkrankheiten, Schlaganfälle und Diabetes reduzieren. Bewegung stärkt das Immunsystem, verbessert die geistige Gesundheit und hilft beim Gewichtsmanagement. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche für Erwachsene.

2. Rauchen
Rauchen ist eine der führenden vermeidbaren Todesursachen weltweit und verkürzt die Lebenserwartung erheblich. Es erhöht das Risiko für Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Atemwegserkrankungen. Der Verzicht auf das Rauchen verbessert die Lungenfunktion und reduziert das Risiko für zahlreiche schwerwiegende Gesundheitsprobleme.

3. Stress
Chronischer Stress kann zu Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Depressionen führen. Effektive Stressbewältigungsstrategien wie Meditation, Yoga oder regelmäßige Hobbys können die Stressbelastung reduzieren und die allgemeine Gesundheit fördern. Psychologische Studien zeigen, dass Achtsamkeitstechniken und kognitive Verhaltenstherapie besonders wirksam sind.

4. Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, mageren Proteinen und gesunden Fetten ist, kann das Risiko für chronische Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Diabetes und bestimmte Krebsarten senken. Ernährungswissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die mediterrane Ernährung besonders gesundheitsfördernd ist.

5. Alkohol
Moderater Alkoholkonsum kann in einigen Fällen gesundheitliche Vorteile bieten, aber übermäßiger Konsum erhöht das Risiko für Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Krebsarten. Die American Heart Association empfiehlt, den Alkoholkonsum auf ein moderates Niveau zu beschränken (ein Getränk pro Tag für Frauen, zwei für Männer).

6. Schlaf
Ausreichender Schlaf ist essentiell für die körperliche und geistige Gesundheit. Schlafmangel kann das Risiko für Herzkrankheiten, Diabetes und andere chronische Erkrankungen erhöhen. Studien zeigen, dass Erwachsene idealerweise 7-9 Stunden Schlaf pro Nacht benötigen, um die besten gesundheitlichen Ergebnisse zu erzielen.

7. Soziale Kontakte
Starke soziale Bindungen und ein unterstützendes soziales Netzwerk verbessern die geistige Gesundheit und können die Lebensdauer verlängern. Soziale Isolation und Einsamkeit sind mit einer erhöhten Sterblichkeit und einem höheren Risiko für psychische und physische Gesundheitsprobleme verbunden. Epidemiologische Studien betonen die Bedeutung sozialer Interaktionen für die Gesundheit.

8. Schmerzmittel
Die Abhängigkeit von Opioid-Schmerzmitteln kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, einschließlich eines erhöhten Risikos für Überdosierung und Tod. Alternativen zur Schmerzbehandlung, wie physikalische Therapie und nicht-opioide Schmerzmittel, werden zunehmend bevorzugt. Medizinische Leitlinien empfehlen einen vorsichtigen und kontrollierten Einsatz von Opioiden.